Schaf
„Und es waren Hirten in derselben Gegend auf dem Felde bei den Hürden,
die hüteten des Nachts ihre Herde.“
Weihnachtsgeschichte, Lukas 2,8

Es war wieder mal eine dieser besonders kalten Nächte am Rand der Wüste. Wir Schafe hatten uns so dicht zusammengedrängt, wie es nur ging, und sahen von weitem bestimmt aus wie ein einziges Schafknäuel. Ich kuschelte mich immer enger an meine Brüder an, als plötzlich die Hunde, die Hirten und dann auch die Leitschafe ganz unruhig wurden. Es wurde plötzlich taghell – der Himmel war voller Gesang – ich hatte unbändige Angst und wäre am liebsten um mein Leben gerannt, aber alle um mich herum blieben wie angewurzelt stehen – und so konnte ich gar nicht anders, als auch einfach stehenzubleiben und staunend zu beobachten, was sich da am Himmel direkt vor unserer Nase abspielt.
Und dann, nach einer halben Ewigkeit, kam Isaak, der Chef aller Hirten und führte einige von uns weg. Und da ging ich einfach mit. Vielleicht war ich in diesem Moment genau das dumme Schaf, das ich eigentlich nie sein wollte – denn ich wusste ja gar nicht, worum es eigentlich ging – aber ich hatte das Gefühl: Wenn ich mich jetzt diesem kleinen Trupp nicht anschließe, verpasse ich etwas völlig Wunderbares! Und so war es ja dann auch.

Und ich bin nicht dumm – sondern nun das glücklichste Schaf der Welt, denn ich habe den Heiland gesehen; habe ihm meine Wärme geschenkt und mich streicheln lassen. Gut, es hat ganz schön geziept, aber Babys können ja noch nicht richtig streicheln, habe ich mir sagen lassen…
Diesen Ausflug werde ich bestimmt niemals vergessen – und auch nicht wie gerührt unsere Hirten waren. Da kam kein dummer Spruch über ihre Lippen und kein Gezanke auf dem Weg – nur dankbares Schweigen. Wir alle waren erfüllt von diesem Glanz und der Wärme und dem inneren Frieden, der sich in uns breit machte und uns erfüllte mit Haut und Haar…Was für eine Nacht!

Lied: „Als ich bei meinen Schafen wacht“
1. Als ich bei meinen Schafen wacht, ein Engel mir die Botschaft bracht.
Des bin ich froh, bin ich froh. Froh, froh, froh – froh, froh, froh.
Benedicamus Domino. Benedicamus Domino.

Gebet
Du Gott aller Liebe, wir kommen zu dir mit unserem eingefahrenen Alltag und sehnen uns danach, von dir berührt zu werden. Hilf uns, deinen Ruf zu hören. Ermutige uns, neue Wege zu gehen. Stärke uns, unserem Herzen zu folgen. Denn deine Liebe überwindet Grenzen, schafft eine neue Realität und weckt ungeahnte Kräfte in uns. Zeige deiner ganzen Schöpfung, dass du sie liebst und lass uns alle erfahren, dass jegliches Leben auf dieser Erde Wert und Sinn und Würde hat. Amen.