Der abweisende Wirt
„Und als sie dort waren, kam die Zeit, dass sie gebären sollte.“
Weihnachtsgeschichte, Lukas 2,6

In der Bibel lesen wir nichts von den Wirten, die Josef und Maria abwimmeln, zum Weitergehen zwingen, ihnen Unterkunft verweigern. Aber in den Krippenspielen am Heilig Abend tauchen sie auf, bekommen sie Konturen und Sprache. Sie müssen nicht unweigerlich unfreundlich oder sogar feindselig eingestellt gewesen sein – es war halt einfach „kein Raum in der Herberge“. Manche waren genervt von den Massen, die in der Stadt waren, manche einfach nur erschöpft und überfordert – und darum auch phantasielos. Und vielleicht hatten einige auch einfach nur Angst, einer schwangeren Frau eine unpassende, unsaubere Unterkunft ohne jegliche Intimsphäre anzubieten…dann lieber gar nichts – in der Hoffnung, dass sie woanders besseres finden…
Uns geht es doch manchmal nicht wirklich anders. Auch uns sind doch diese Tage nicht fremd, wo wir gestresst, genervt, gehetzt, abwesend und unaufmerksam sind. Wenn ich erschöpft bin, kann ich nicht mehr zuhören, bin ich nicht mehr mitfühlend, habe ich keine Ideen, die den anderen weiterhelfen könnten… Das ist nicht böse gemeint. Dann habe ich mich einfach selber verloren, aus dem Blick verloren…dann sprechen Kopf und Herz und Bauch nicht mehr dieselbe Sprache…
und wie leicht übersehen wir dann das kleine Wunder, das sich doch vor unseren Augen ereignet…
Darum: Um nicht den zarten Augenblick, das Wunder der Weihnacht und die greifbare Liebe Gottes zu verpassen – öfter einmal vor eine brennende Kerze setzen und still in sich hineinhorchen. Was tauchen da für Sehnsüchte auf? Bin ich zufrieden mit meinem Leben oder spüre ich plötzlich, dass es mein Herz woanders hinzieht? Bin ich noch auf dem richtigen Weg oder habe ich die Richtung verloren? Bleibt mein Blick nur an der schwer auszuhaltenden Gegenwart hängen oder habe ich die Kraft und den Mut, über die vielen Grenzen und Begrenzungen hinweg zu schauen, zu denken, zu leben?

Gebet
Gnädiger Gott,
wenn ich mich dabei ertappe, nicht mehr empfänglich für deine Nähe und deine alltäglichen Wunder zu sein, dann hilf mir, mein inneres Gleichgewicht wiederzufinden und den Blick zu weiten. Lass mich nicht phantasielos und abweisend sein, sondern offen für das, was du mir auf unscheinbare, aber liebevolle Weise mitteilen möchtest; nämlich, dass mein Leben liebenswert ist. Amen.

Lied: „Stern über Bethlehem“
3. Stern über Bethlehem, nun bleibst du stehn und läßt uns alle das Wunder hier sehn, das da geschehen, was niemand gedacht, Stern über Bethlehem, in dieser Nacht.