Bote
„Und alle, vor die es kam, wunderten sich über das,
was ihnen die Hirten gesagt hatten.“
Weihnachtsgeschichte, Lukas, 2,18

Ich bin ein Beamte des römischen Reiches und für mich gibt es eine ganz klare Hierarchie. Ich diene Kaiser Augustus. Hier in Bethlehem hat König Herodes das Sagen. Aber in meinem Herzen verehre ich unseren alten König David. Aber das ist meine Privatmeinung und geht niemanden etwas an…

Diese Sache mit den Listen, der Volkszählung und der Steuerschätzung finde ich gut. Schließlich braucht der Staat Geld, sonst kann er mich ja nicht bezahlen. Im Großen und Ganzen sind die Menschen auch willig, selbst wenn sie große Mühen auf sich nehmen müssen. So wie Josef und Maria. Das tut mir in der Seele weh, dass diese hochschwangere Frau nun diese weite Reise machen musste. Und ich habe gehört, dass sie nur in einem Stall eine notdürftige Unterkunft gefunden haben. Da schäme ich mich für mein Land; dass wir bei so einem politischen Großprojekt nicht einmal genügend Wohnraum für alle haben…

Was mich verunsichert ist aber dieses Gerücht. Alle erzählen, dass hier ein neuer König geboren sein soll – ein direkter Nachkomme König Davids. Wenn das stimmt, dann hätte unser Land wirklich eine Zukunft. Dann könnten wir vielleicht doch irgendwann in Frieden leben – dann haben wir irgendwann nicht nur einen militärischen, sondern auch einen inneren Frieden…

Lied: „Es ist ein Ros entsprungen“
1. Es ist ein Ros entsprungen aus einer Wurzel zart, wie uns die Alten sungen, von Jesse kam die Art und hat ein Blümlein bracht mitten im kalten Winter wohl zu der halben Nacht.
Ev. Gesangbuch, Nr. 30,1

Segensbitte:
Gott segne die Wurzeln unseres Lebens,
er schenke ihnen Stärke und Halt, uns zu tragen und zu nähren.
Gott segne die Triebe unseres Lebens,
er durchdringe sie mit Kraft und Weisheit, uns wachsen und reifen zu lassen.